„Ich nehme das Medikament – aber mir geht es schlechter als vorher.“
Solche Aussagen gehören zum Alltag in Arztpraxen und Apotheken. Tatsächlich wirken Arzneimittel nur bei rund 60 Prozent der Patientinnen und Patienten wie erwartet. Ein oft unterschätzter Einflussfaktor auf die Arzneimittelwirkung sind unsere Gene – die sogenannte Pharmakogenetik.
Gerade bei häufig eingesetzten Wirkstoffen wie Simvastatin zeigt sich, wie stark die individuelle, genetische Ausstattung die Verträglichkeit und somit den Therapieerfolg beeinflussen kann. Statine senken effektiv den Cholesterinspiegel und reduzieren das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Dennoch entwickeln manche Patientinnen und Patienten Muskelschmerzen bis hin zur Myopathie.
Eine Ursache kann eine Variante im SLCO1B1-Gen sein. Dieses Gen steuert einen Transporter in der Leber, der Simvastatin aufnimmt. Ist seine Funktion vermindert, verbleibt mehr Wirkstoff im Muskelgewebe – das Nebenwirkungsrisiko steigt.
Die Folge in der Praxis:
Patientinnen und Patienten setzen das Statin eigenmächtig ab.
Die Cholesterinwerte steigen wieder.
Das kardiovaskuläre Risiko nimmt unbemerkt zu.
Dabei wäre häufig eine individuelle Anpassung – etwa eine Dosisreduktion oder der Wechsel auf ein anderes Statin – ausreichend, um die Therapie erfolgreich fortzuführen.
Genetische Analysen können wertvolle Hinweise liefern. Sie ersetzen keine ärztliche Therapieentscheidung, unterstützen jedoch eine individuellere und sicherere Arzneimitteltherapie.
Fazit: Pharmakogenetik ist kein Zukunftsthema, sondern ein entscheidender Bestandteil moderner Arzneimittelwirkung – für mehr Sicherheit und passgenaue Therapie.
