Berlin – Am 7. Oktober 2026 fand in der Berliner Zentrale des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) das vdek-Zukunftsforum statt. Unter dem Motto „Vielfalt sichtbar machen: Mit Daten und Wissen zu besserer Versorgung“ diskutierten die Teilnehmenden, wie Faktoren wie Geschlecht, soziale Lage oder kultureller Hintergrund Gesundheit und Versorgung beeinflussen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Erkenntnisse Daten, Forschung und Versorgungspraxis über unterschiedliche Gesundheits- und Versorgungsbedarfe liefern und wie dieses Wissen künftig stärker für Prävention, Diagnostik, Therapie und Gesundheitsförderung genutzt werden kann. Ein besonderer Fokus lag auf dem Gender Data Gap – also Wissens- und Datenlücken, die dazu beitragen können, dass gesundheitliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht ausreichend erkannt und berücksichtigt werden.
Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), betonte in ihrer Begrüßung: „Spezifische Daten sind Grundlage für eine individuelle Versorgung der Versicherten. Nur so können wir Unterschiede in den Bedarfen sichtbar machen und dadurch die Versorgung der über 70 Millionen gesetzlich Versicherten weiterentwickeln. Eine moderne Gesundheitsversorgung darf kein Zufall sein.“
Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin für Digitale Medizin und Interoperabilität am Berlin Institute of Health (BIH), hielt einen Impulsvortrag mit dem Titel „Der Gender Data Gap im Gesundheitswesen“. Sie wies darauf hin, dass Frauen in medizinischen Daten jahrzehntelang kaum vorkamen und was das für die digitale Medizin bedeutet: „Wenn KI mit diesen lückenhaften Daten trainiert wird, lernt sie fehlerhafte Muster. Das führt zu einer lebensgefährlichen Verzerrung, einem blinden Fleck im System: KI-Systeme übersehen weibliche Symptome, schlagen falsche Therapien vor oder schätzen das Risiko von Medikamenten-Nebenwirkungen für Patientinnen falsch ein.“
Bei der anschließenden Diskussion unter der Überschrift „Von der Erkenntnis zur Praxis: Wie gelingt eine diversitätssensible Gesundheitsversorgung?“ steuerten die Diskutanten unterschiedliche Perspektiven bei:
Dr. med. Bernhard van Treeck, unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA):
„Evidenzbasierte Entscheidungen des GBA sind Grundlage dafür, ob eine Leistung von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird oder nicht. Problem dabei: Je kleinteiliger man Subgruppen untersuchen möchte – zum Beispiel differenziert nach Geschlecht, kulturellem Hintergrund, sozialem Status – desto größer sind die benötigten Fallzahlen. Dies stellt uns vor spezielle Herausforderungen, insbesondere bei der Früherkennung, wo man aufgrund der Tatsache, dass überwiegend Gesunde untersucht werden, ohnehin schon auf hohe Fallzahlen zur Erkenntnisgewinnung angewiesen ist.“
Charlotte Holste, Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd):
„Wer die Gesundheitsversorgung von morgen verbessern will, muss die Ärztinnen und Ärzte entsprechend ausbilden. Diversität gehört deshalb zentral in das Studium integriert und nicht an den Rand. Eine Medizin, die allen Menschen gerecht werden will, muss die Vielfalt ihrer Patientinnen und Patienten schon in der Ausbildung mitdenken und unterschiedliche Bedarfe kennenlernen.“
Dr. Christiane Wessel, stellv. Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin:
„Als niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sehen wir jeden Tag, dass eine gute medizinische Versorgung die Individualität der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellen muss. Dies setzt jedoch voraus, dass auch geschlechtsspezifische Unterschiede wissenschaftlich untersucht und schließlich anerkannt werden. Geschlechtersensible Medizin ist daher ein unerlässliches Qualitätsmerkmal guter Medizin – für deren Umsetzung müssen aber auch die Voraussetzungen geschaffen werden.“
Dr. Anja Maria Rittner, Abteilungsleiterin Gesundheit beim vdek:
„Gesundheitliche Ungleichheiten lassen sich nur dann gezielt angehen, wenn sie auch in den Daten sichtbar werden. Deshalb müssen Gesundheits-, Sozial-, Bildungs- und Umweltdaten auf einer einheitlichen Datengrundlage sektorenübergreifend zusammengeführt und für Bund, Länder und Kommunen für eine evidenzbasierte, geschlechtersensible Präventionspolitik nutzbar gemacht werden.”
Bei der Veranstaltung wurde auch der vdek-Zukunftspreis 2026 zum Thema „Gesundheit für alle Geschlechter – gendersensible Versorgung gezielt stärken“ verliehen. Mehr zu dem Preis und den Preisträgerprojekten ist auf unserer Website zu finden.
Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ist Interessenvertretung und Dienstleistungsunternehmen aller sechs Ersatzkassen:
Techniker Krankenkasse (TK), BARMER, DAK-Gesundheit, KKH Kaufmännische Krankenkasse,
hkk – Handelskrankenkasse und HEK – Hanseatische Krankenkasse.
Die Ersatzkassen versichern zusammen mehr als 29 Millionen Menschen in Deutschland und sind damit Marktführer. Beim vdek arbeiten bundesweit rund 800 Beschäftigte. Hauptsitz des Verbandes ist Berlin. Für die regionale Präsenz der Ersatzkassen in den einzelnen Bundesländern sorgen 15 Landesvertretungen.