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Vorhofflimmern und Diabetes – gefährliches Duo fürs Herz
© Deutsche Herzstiftung

Vorhofflimmern und Diabetes – gefährliches Duo fürs Herz

Pressemitteilung

Was diese Kombination besonders gefährlich macht und wie sich Patienten schützen können, darüber informieren Experten im neuen Ratgeber der Herzstiftung „Diabetes und Herzgesundheit“

Frankfurt a. M. – Rund elf Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Diabetes-Diagnose. Dass hohe Blutzuckerwerte nicht nur Augen, Nieren und Nerven, sondern vor allem auch Herz und Gefäße schädigen, ist vielen bekannt. Weniger geläufig ist, dass Diabetes auch Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern begünstigt. „Das ist besonders gefährlich, denn diese häufigste Form einer Herzrhythmusstörung verläuft bei Menschen mit Diabetes oft ‚still‘ – also ohne Symptome – dennoch ist das Schlaganfallrisiko massiv erhöht“, warnt Herzspezialist Prof. Dr. Nikolaus Marx vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung im neuen Ratgeber „Diabetes und Herzgesundheit“ der Herzstiftung, der unter https://herzstiftung.de/bestellung angefordert werden kann.

„Vorhofflimmern und Diabetes – doppelte Gefahr fürs Herz“ lautet eines der Schwerpunktthemen der Broschüre. Sie soll nicht nur über Risiken aufklären, sondern den Patienten auch Mut machen und ihnen „als Wegweiser zu mehr Gesundheit“ dienen, betont der Direktor der Medizinischen Klinik I: Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum RWTH Aachen. Der Ratgeber enthält viele praktische Tipps, was Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, selbst tun können, um ihr Herzrisiko zu minimieren und erklärt, welche Möglichkeiten neue Medikamente und Therapien bieten.

Risiko für vorzeitigen Tod ist um 61 Prozent erhöht

„Beim Vorhofflimmern schlägt das Herz unregelmäßig und oft zu schnell. Es pumpt damit nicht mehr effektiv und Blut kann sich dadurch in den Herzvorhöfen stauen“, erläutert die Kardiologin Prof. Dr. Angelika Costard-Jäckle vom Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, die Zusammenhänge. „Dies wiederum begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln, die weiter mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern und dort einen Schlaganfall auslösen können.“

Studien haben ergeben, dass Menschen mit Diabetes und Vorhofflimmern im Vergleich zu Diabetikern ohne die Herzrhythmusstörung ein um 61 Prozent erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Tod haben. Ähnliches gilt im Übrigen auch für das Risiko einer Herzschwäche, eines Schlaganfalls oder den Tod durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Viele unterschiedliche Faktoren wirken dabei zusammen: „Vermutlich entsteht durch entzündliche Prozesse und oxidativen Stress – bei den Diabetikern – unter anderem Narbengewebe im Herzmuskel und die Herzvorhöfe vergrößern sich“, erklärt Prof. Costard-Jäckle, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Umbauprozesse sowie die Einlagerung von Fett können die Reizleitung im Herzen stören und so das Vorhofflimmern fördern. Zudem begünstigen typische Begleiterkrankungen des Diabetes wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Schlafapnoe das Entstehen von Vorhofflimmern. In Deutschland haben schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen Vorhofflimmern.

Gewichtsabnahme verringert auch die Häufigkeit von Vorhofflimmern

Was lässt sich nun dagegen tun? Ein wichtiger Punkt ist es, Übergewicht zu verringern beziehungsweise zu vermeiden. Studiendaten belegen, dass ein Gewichtsverlust nicht nur einen Typ-2-Diabetes bessert, sondern auch die Häufigkeit von Vorhofflimmern deutlich reduziert. Neben gesunder Ernährung empfehlen die Experten regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichenden regelmäßigen Schlaf und den Verzicht auf Tabak- und übermäßigen Alkoholkonsum.

Was die Diabetesmedikation angeht, ist für einige Blutzuckersenker wie etwa Metformin oder SGLT2-Hemmer (Gliflozine) eine Senkung des Risikos für Vorhofflimmern belegt. Die Blutzuckerwerte gut unter Kontrolle zu haben, egal mit welchem Medikament, ist auf jeden Fall von Vorteil, um weitere Schäden an Herz und Gefäßen sowie an anderen Organen zu vermeiden.

Gerinnungshemmer gegen Schlaganfallrisiko durch Vorhofflimmern

Entscheidend ist zunächst aber die rechtzeitige Diagnose: „Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihr Herzrisiko und lassen Sie Ihren Blutzucker regelmäßig prüfen!“, rät Prof.  Marx. Laut Studien müssen von 100 Patienten mit Vorhofflimmern und Diabetes jedes Jahr zwischen drei und neun mit einem Schlaganfall rechnen. Doch viele Schlaganfälle lassen sich durch eine präventive Gerinnungshemmung („Blutverdünnung“), in der Fachsprache Antikoagulation, verhindern (Infos unter https://herzstiftung.de/schlaganfall-durch-vorhofflimmern).

„Der Arzt oder die Ärztin kann anhand eines Scores, der das Alter und weitere Erkrankungen berücksichtigt, das individuelle Risiko abschätzen“, erläutert Prof. Dr. Thomas Meinertz, Kardiologe in Hamburg und Chefredakteur der Deutschen Herzstiftung. „Bei der Auswahl des Wirkstoffs für die Antikoagulation – zum Beispiel das altbewährte Marcumar oder eines der neueren direkten oralen Antikoagulanzien (DOAC) – werden Ärztin oder Arzt die individuellen Lebensumstände, Begleiterkrankungen und Anwendungsbeschränkungen berücksichtigen.“

Katheterablation für bessere Lebensqualität und Langzeitprognose

Und auch das Vorhofflimmern selbst lässt sich behandeln, etwa mit einer so genannten Katheterablation, einem minimal-invasiven Eingriff, bei dem störendes Herzgewebe verödet und damit die fehlerhaften elektrischen Signale im Herzen beseitigt werden. „Klinische Studien haben die Wirksamkeit und Sicherheit der Katheterablation bei Vorhofflimmern-Patienten mit Diabetes belegt“, bekräftigt der Kardiologe Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck von der Klinik für Rhythmologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Lübeck. „Die Lebensqualität der Patienten bessert sich und auch in der Langzeitprognose ist das Verfahren der medikamentösen Behandlung mit Antiarrhythmika überlegen.“
(sb)

Ratgeber-Service: Diabetes und Herzerkrankungen

Die Broschüre „Diabetes und Herzgesundheit“ informiert neben Vorhofflimmern und Diabetes auch zu Herzmuskelschwäche und peripherer Verschlusskrankheit (PAVK) bei Diabetes, neue Therapien. Es gibt praktische Tipps, wie sich das Herzrisiko minimieren lässt und wie sich mit Bewegung und Ernährung Herz und Stoffwechsel unterstützen lassen. Der Ratgeber kann kostenfrei telefonisch unter 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestellung angefordert werden.

Zusatzinfo

Vorhofflimmern und Diabetes: Das können Sie selbst tun
Bereits einfache konsequente Änderungen im Alltag helfen nachweislich, das Risiko für Vorhofflimmern zu senken und auch die Stoffwechselsituation bei Typ-2-Diabetes unter Kontrolle zu bringen:

• Gesunde Ernährung

• regelmäßige körperliche Aktivität

• Aufrechterhaltung eines normalen Körpergewichtes

• ausreichender regelmäßiger Schlaf

• Verzicht auf Tabakkonsum

• Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum

• Kontrolltermine bei Ärztin/Arzt regelmäßig wahrnehmen
(sb)

Weitere Informationen unter
https://herzstiftung.de/vorhofflimmern
https://herzstiftung.de/schlaganfall-durch-vorhofflimmern
https://herzstiftung.de/diabetes

Literatur:
Meinertz Thomas, Costard-Jäckle Angelika; Kuck Karl-Heinz. Vorhofflimmern und Diabetes – doppelte Gefahr fürs Herz. Ratgeber „Diabetes und Herzgesundheit“ der Deutschen Herzstiftung 2026; 14-21

Bildmaterial erhalten Sie gerne unter presse@herzstiftung.de oder per Tel. unter 069 955128-114