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WIdO-Analyse: 42 Prozent aller Hausarztpraxen in Westfalen-Lippe setzt auf Teamarbeit mit delegierten Leistungen
Ärzte, Pflegefachpersonen, Physician Assistants und weitere Gesundheitsberufe: Gemeinsam können sie eine umfassende Grundversorgung sichern. Foto: AOK/Colourbox/hfr.

WIdO-Analyse: 42 Prozent aller Hausarztpraxen in Westfalen-Lippe setzt auf Teamarbeit mit delegierten Leistungen

Pressemitteilung

Anteil ist zwischen 2015 und 2024 um 74 Prozent gestiegen

Dortmund – Die hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe wird zunehmend zur Teamaufgabe. Das zeigt eine aktuelle Bestandsaufnahme des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach ist qualifiziertes, nicht-ärztliches Praxispersonal bereits in fast jeder zweiten Hausarztpraxen (42 Prozent) in die Patientenversorgung eingebunden. Diese Ergebnisse sind auch mit Blick auf die geplante Einführung eines teamorientierten Primärversorgungssystems durch die Bundesregierung relevant. Hinzu kommt der demografische Wandel, der neue Anforderungen an die medizinische Versorgung stellt. „Starke Teams sind ein Schlüssel für die Zukunft der hausärztlichen Versorgung. Qualifizierte nicht-ärztliche Fachkräfte können Ärztinnen und Ärzte gezielt entlasten und die Versorgung sinnvoll ergänzen. Allerdings zeigt sich, dass die Entwicklung regional sehr unterschiedlich verläuft“, sagt AOK-Vorstandschef Tom Ackermann.

Gezielte Patientensteuerung

Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft steigt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Gleichzeitig verschärft sich der Hausärztemangel. Primärversorgungspraxen mit Teams aus Ärzten, Pflegefachpersonen, Physician Assistants und weiteren Gesundheitsberufen böten Hilfesuchenden eine umfassende Grundversorgung, so der AOK-Chef. „Mit dem Modell einer Primärversorgung besteht eine gute Chance, Hilfesuchende künftig schnell, zielgerichtet und effizient an die richtige Stelle im Versorgungssystem zu steuern. Dazu brauchen wir klar geregelte Abläufe mit einem verbindlichen, standardisierten Ersteinschätzungsverfahren auf digitalem oder telefonischem Wege und eine bessere Vernetzung aller beteiligten Akteure“, so Ackermann.

In der WidO-Studie wurden AOK-Abrechnungsdaten der Jahre 2015 bis 2024 für zwei etablierte berufliche Qualifizierungsmodelle analysiert, die gezielt zur Entlastung der hausärztlichen Kapazitäten beitragen können: Nicht-ärztliche Praxisassistenten (NäPA) und Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VERAH). Beide Qualifikationen weisen ein ähnliches Tätigkeits- und Kompetenzprofil auf und übernehmen unter anderem Aufgaben in der Wundversorgung und Betreuung chronisch Kranker.

Erhebliches Ausbaupotential

In den letzten zehn Jahren haben beide Berufsbilder der WIdO-Studie zufolge in Westfalen-Lippe stark an Bedeutung für die Versorgung gewonnen: Die Anzahl hausärztlicher Praxen, die mindestens eine dieser Fachkräfte beschäftigten, stieg im Beobachtungszeitraum von 1.330 auf 2.314 Praxen an, und das trotz einer insgesamt rückläufigen Anzahl an Praxen. Das entspricht einem Gesamtzuwachs von etwa 74 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Gleichzeitig sagt die Studie auch: 58 Prozent der hausärztlichen Praxen beschäftigen bislang noch keine NäPA oder VERAH, hier gibt es noch erhebliches Ausbaupotential.

Regionale Unterschiede

Auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe zeigt die Analyse des WIdO ebenfalls deutliche Unterschiede: So verzeichnet die Stadt Bottrop mit 59 Prozent den höchsten Anteil an NäPA-/VERAH-Praxen, gefolgt vom Kreis Gütersloh mit 58 Prozent sowie den Kreisen Warendorf, Herford und Borken mit jeweils 53 Prozent. Die niedrigsten Quoten weisen die beiden Städte Dortmund (28 Prozent) und Gelsenkirchen (30 Prozent) auf. Qualifizierte Gesundheitsfachberufe sind demnach dort etwas häufiger vertreten, wo vergleichsweise wenige Hausärztinnen und Hausärzte die Bevölkerung versorgen. „Die Ergebnisse legen nahe, dass vor allem größere und arbeitsteilig organisierte Praxen besonders gute Rahmenbedingungen bieten, um qualifizierte Gesundheitsfachberufe in die Primärversorgung einzubinden. Außerdem weisen sie darauf hin, dass die Versorgung insbesondere durch den Ausbau der Hausbesuchskapazitäten gestärkt wird. Das sollte die Reform berücksichtigen. Es sollte auch schon jetzt bei neu zu besetzenden hausärztlichen Sitzen mitgedacht werden, da der Fachkräftemangel und die Zunahme der chronischen Morbidität in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden“, so Ackermann.