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Alternative zur Wertstoffverbrennung: Forschungsprojekt „Dialycycle“ untersucht erstmals Recycling von Dialyse-Einwegprodukten

Pressemitteilung

Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. ist Projektpartner im Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Dialycycle – Entwicklung und Erprobung einer ganzheitlichen Prozesskette für das Recycling von Kunststoff-Einwegprodukten bei der Dialyse“. Der Förderantrag für das Projekt wurde durch das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 3. April bewilligt. Das Projekt startet am 1. Juni 2026 mit einer Laufzeit von 36 Monate. Koordiniert wird das Verbundprojekt vom Circular MTC e.V., Chemnitz.

Neu-Isenburg – Hintergrund des Projekts sind die großen ungenutzten Abfallmengen, die speziell bei der Hämodialyse, aber auch generell im medizinischen Bereich entstehen: Pro Dialyse fallen mindestens 2,5 Kilogramm kunststoffbasierter Abfälle (gebrauchte Dialysatoren und Blut-schlauchsysteme) an, ein Wertstoff, der (noch) verbrannt wird. In Deutschland summiert sich dies auf rund 35.000 Tonnen pro Jahr. Ziel von „Dialycycle“ ist es, erstmals eine durchgängige, praxisnahe Prozesskette für das werkstoffliche Recycling von kunststoffbasierten Dialyse-Einwegprodukten zu entwickeln und zu erproben, um die bisher übliche Verbrennung abzulösen. Durch den Einsatz  der gewonnenen Rezyklate lassen sich bis zu 50 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen, die Dialysebehandlungen und besonders deren Einwegprodukte derzeit noch zu einem der größten medizinischen CO2-Emittenten machen. Somit verfolgt das Projekt eine ganz zentrale ökologische Herausforderung im Gesundheitswesen und hat darüber hinaus das Potenzial, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zur Kunststoffproduktion zu senken.

Projektbeteiligung des KfH

Als einer der größten Dialyseanbieter in Deutschland bringt das KfH seine Expertise insbesondere in den Bereichen Stoffstromanalyse, Abfallerfassung und verwertungsoptimierte Sammellogistik ein. Diese Kompetenz hat bereits heute im Bereich der Umverpackungen zu einer Recycling-Quote von 95 Prozent geführt. In ausgewählten KfH-Nierenzentren sollen jetzt auch die klinischen Materialströme analysiert und neue Konzepte für eine recyclinggerechte Desinfektion und Sammlung medizinischer Kunststoffabfälle entwickelt und praktisch erprobt werden.

Am Ende der Projektlaufzeit soll neben technischen Demonstratoren vor allem ein wirtschaftlich tragfähiges und übertragbares Geschäftsmodell vorliegen, das perspektivisch auf weitere Dialyse- und andere medizinische Einrichtungen ausgeweitet werden soll. „Das KfH leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen und zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks der Dialyseversorgung“, betont Professor Dr. med. Joachim Beige, Geschäftsbereichsleiter Medizin und Pflege im KfH. Um diese Ziele zu erreichen, sei es notwendig, die erwarteten Projektergebnisse derart zu nutzen, dass der angestrebte Aufarbeitungs-Wertstoffstrom zum industriellen Standard wird.

Umgang mit kontaminierten Abfällen

Das Projekt widmet sich deshalb auch den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen für den Umgang mit kontaminierten medizinischen Abfällen. Diese sind in der Praxis komplex und erfordern bei Recyclingvorhaben häufig individuelle, abfallspezifische Genehmigungen, die mit entsprechendem Zeit- und Ressourceneinsatz verbunden sind. Im Rahmen des Projekts sollen daher zusätzliche Praxiserfahrungen und Erkenntnisse gesammelt werden, die dazu beitragen können, bestehende Verfahren besser zu verstehen und perspektivisch Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung etablierter Regelungen – stets unter Wahrung hoher Sicherheits- und Umweltstandards – aufzuzeigen.

Hintergrundinformation

Koordiniert wird das Verbundprojekt „Dialycycle“ vom Circular MTC e.V., Chemnitz. Der Circular MTC e.V. hat die systematische Transformation zu einer kreislaufgeführten Wirtschaft sowie die nachhaltige Gestaltung von Produktions- und Verwertungskreisläufen zum Ziel. Neben der Entwicklung von Werkstoffen, Produkten und Verfahren unter Berücksichtigung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten stehen besonders auch der Know-how-Transfer und die Implementierung von nachhaltigen Geschäftsmodellen im Fokus. Durch die Initiierung von Projekten in den Bereichen Leichtbau & Kreislaufwirtschaft sowie Automatisierung & Digitalisierung trägt der Circular MTC e.V. maßgeblich zur Vernetzung von Stakeholdern und zur Verwertung und Vermarktung von technologischen Entwicklungen bei.

Weitere Projektpartner sind die PHV – Der Dialysepartner Patienten Heimversorgung Gemeinnützige Stiftung / Bad Homburg, die BEOS Polymer GmbH / Döbeln OT Markritz, die PolyM Manufaktur GmbH / Eppendorf sowie die Gerflor Mipolam GmbH, Troisdorf. Als assoziierter Partner ist zudem die REMONDIS Medison GmbH / Lünen beteiligt, die ihre Expertise in der Dekontamination medizinischer Abfälle einbringt.

Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. wurde im Jahr 1969 gegründet. Ziel war, den medizinischen Versorgungsnotstand für dialysepflichtige Patientinnen und Patienten in Deutschland zu beheben. Vom Wegbereiter für eine flächendeckende Dialyseversorgung hat sich das KfH bis heute zum nephrologischen Gesamtversorger entwickelt, der eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung nierenkranker Patientinnen und Patienten bietet. In rund 200 KfH-Zentren werden mehr als 17.400 Dialysepatientinnen und -patienten sowie aktuell mehr als 80.000 Sprechstundenpatientinnen und -patienten umfassend behandelt.