Berlin – Statine (auch CSE-Hemmer genannt) sind eine Gruppe verschreibungspflichtiger Medikamente, die als Cholesterinsenker eingesetzt werden. Sie zählen zu den weltweit meistverschriebenen Medikamenten zur Senkung des Risikos für Herzinfarkte und Schlaganfall (1). Zahlreiche medizinische Studien haben ihre verlässliche Wirksamkeit und seltenen Nebenwirkungen nachgewiesen. Dennoch halten sich in Deutschland hartnäckig Theorien zur Schädlichkeit der Cholesterinsenker. Die Folge: Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen meiden die Einnahme und riskieren dadurch einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Anlässlich des Welttages des Gehirns am 22. Juli 2026 startet die Deutsche Schlaganfallbegleitung eine Beitragsreihe zur Aufklärung über die umstrittenen Medikamente.
Statine senken den LDL-Cholesterin-Spiegel (LDL-C-Spiegel) im Blut. Die Medikamente werden ärztlich verordnet, wenn bei einer Blutuntersuchung erhöhte Cholesterinwerte und somit ein Risiko für eine Arteriosklerose festgestellt wurden. Die umgangssprachlich als Gefäßverkalkung bekannte Arteriosklerose ist die Hauptursache für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Mit Statinen lässt sich diesen schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Sie senken das LDL-Cholesterin und wirken entzündungshemmend. Eine US-amerikanische Studie zeigte, dass dadurch in den USA jährlich 65.000 Schlaganfälle verhindert werden könnten.(2)
Trotz dieser Erkenntnisse meiden viele Menschen mit einer Fettstoffwechselstörung die Medikamente. Welche Fakten sind Ursache der Besorgnis? Meistens sind das die Nebenwirkungen(3), allem voran Muskelschmerzen.
Eines scheint wenig bekannt zu sein: Milde muskuläre Probleme treten nur sehr selten im direkten Zusammenhang mit den eingenommenen Statinen auf. Oft sind andere Gründe für die Schmerzen verantwortlich. Dabei zeigten Forschende mit einer Analyse verschiedener Studien bereits 2018, dass Muskelschmerzen oft psychisch bedingt sind.(4) Dafür sorgt der sogenannte Nocebo-Effekt, der beispielsweise durch eine negative Erwartung gegenüber dem Medikament ausgelöst werden kann. Der Schmerzeindruck kam auch bei Einnahme eines Placebos, also eines Scheinmedikaments, zustande. Ein höheres Alter, Schilddrüsenerkrankungen oder sportliche Aktivitäten kommen als weitere Erklärungen für das Auftreten von Muskelschmerzen infrage.
Eine andere gefürchtete Nebenwirkung: Diabetes. Statine können den Blutzuckerspiegel geringfügig steigen lassen. Die Auswirkung steigender Blutzuckerwerte ist allerdings erst dann von Bedeutung, wenn der Blutzuckerspiegel bereits vor der Einnahme im oberen Grenzbereich lag. Liegt diese Information dem behandelnden Arzt oder der Ärztin vor, kann ein Statin gewählt werden, das für Menschen mit Diabetes geeignet ist.(5) Die regelmäßige Überprüfung der Blutzuckerwerte im Rahmen eines Check-Ups kann also wichtige Erkenntnisse liefern.
Zur Skepsis trägt auch die Haltung gegenüber den Interessen der Pharmaindustrie bei. Demnach profitieren Pharmaunternehmen wirtschaftlich von der Angstmacherei vor schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Immerhin betrug der Umsatz auf dem weltweiten Statinmarkt im Jahr 2024 etwa 15 Milliarden US-Dollar.(6)
Die oft befürchteten Nebenwirkungen sind also sehr selten und müssen immer in Relation zu dem allgemeinen Risiko einzelner Patienten abgewogen werden. Es gibt Möglichkeiten, alternative Präparate zu verordnen, wenn ein bestimmtes Statin Nebenwirkungen auslöst. Ein offener Austausch mit der Ärztin oder dem Arzt hilft, die verträgliche Einnahme zu unterstützen und den schweren Konsequenzen eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts vorzubeugen.
Quellen
- Statins – your questions answered. – Autor: Professor Darrel Francis – URL: https://www.bhf.org.uk/informationsupport/heart-matters-magazine/medical/drug-cabinet/statins
- Tens of Thousands of Heart Attacks and Strokes Could Be Avoided Each Year if Cholesterol-Lowering Drugs Were Used According to Guidelines; Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health; (erstellt am 30.06.2025; abgerufen am 13.10.2025) – URL: https://publichealth.jhu.edu/2025/tens-of-thousands-of-heart-attacks-and-strokes-could-be-avoided-each-year-if-cholesterol-lowering-drugs-were-used-according-to-guidelines
- Zehn verbreitete Irrtümer bei der Verschreibung von Statinen; Gelbe Liste Pharmindex; (erstellt am 08.04.2019; abgerufen am 08.10.2025) – Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt) – URL: https://www.gelbe-liste.de/kardiologie/verschreibung-statine-zehn-irrtuemer)
- Introducing the “Drucebo” Effect in Statin Therapy: A Systematic Review of Studies Comparing Reported Rates of Statin-Associated Muscle Symptoms, under Blinded and Open-Label Conditions – Autoren: Penson, Peter E., G. B. John Mancini, Peter P. Toth, Seth S. Martin, Gerald F. Watts, Amirhossein Sahebkar et al. – Publikation: Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle, 9.6 (2018), 1023–33 – DOI: 10.1002/jcsm.12344
- Statine mit unterschiedlichem Diabetesrisiko; Deutsches Ärzteblatt; (erstellt am 24.05.2013; abgerufen am 16.07.2026) – Autorenkürzel: rme – URL: https://www.aerzteblatt.de/news/statine-mit-unterschiedlichem-diabetesrisiko-e659777c-0f3c-4550-84a6-748c264e637e)
- Global Market Statistics 2026). (Lipidsenker – Weltweit; Statista; (zuletzt abgerufen am 16.07.2026) – URL: https://de.statista.com/outlook/hmo/pharmazeutika/lipidsenker/weltweit) eine alternde bevölkerung und zunahme von hke auch bedarf besteht nach Medikamenten die den Risikofaktor fettstoffwechselstörung insbesondere für schlaganfälle behandeln.
- Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 19.12.2024: G-BA erweitert die Verordnungsmöglichkeit von Lipidsenkern, wenn alleinige Primärprävention hohe kardiovaskuläre Risiken nicht ausreichend senkt. – URL: https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1229/ (zuletzt abgerufen am 16.07.2026) (Quelle Grafik)
Unsere bereits veröffentlichten Artikel zum Thema „Statine”
Statine: Wirkung, Einnahme, Nebenwirkungen und Alternativen – Autoren: Dr. med. Jürgen Kunz unter Mitarbeit von stud. med. Nina Siegmar – URL: https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/statine
Statine: Wer profitiert von den Cholesterinsenkern? Autoren: Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen – URL: https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/statine-wer-profitiert
Statine: Welche Nebenwirkungen haben sie wirklich? Autoren: Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen – URL: https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/statine-nebenwirkungen
Muskelschmerzen als Nebenwirkung von Statinen sind sehr selten. – Autorin: Marieke Theil, M.Sc.- URL: https://schlaganfallbegleitung.de/news/muskelschmerzen-statine
Statine sind Nahrungsergänzungsmitteln weit überlegen. Autor: Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen – URL: https://schlaganfallbegleitung.de/news/statine-nahrungsergaenzung
