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Schlaganfallprävention verbessern: Experten empfehlen stärkere Beachtung des Lipoprotein(a)-Wertes
Die Grafik wurde mit Canva Pro erstellt. Die Nutzung ist ausschließlich im Rahmen der Berichterstattung gestattet.

Schlaganfallprävention verbessern: Experten empfehlen stärkere Beachtung des Lipoprotein(a)-Wertes

Presseinformation

Berlin – Ein bislang wenig beachteter Blutwert könnte entscheidend für die Schlaganfallprävention sein: Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der Lipoprotein(a)-Wert im Laufe des Lebens stärker ansteigen kann als bisher angenommen. Fachleute empfehlen deshalb, den Lp(a)-Wert frühzeitig und bei Risikopatientinnen und -patienten gegebenenfalls wiederholt zu bestimmen. Eine frühzeitige Risikoerkennung kann Schlaganfällen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Anlässlich des Tags des Cholesterins am 12. Juni 2026 ruft die Deutsche Schlaganfallbegleitung dazu auf, die Schlaganfallprävention stärker in den Fokus zu rücken und moderne Möglichkeiten der Risikofrüherkennung konsequent zu nutzen.

Der Lp(a)-Wert beschreibt die Menge des Blutfetts Lipoprotein(a) im Blut. Lipoprotein(a) ähnelt dem bekannten LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“), besitzt jedoch zusätzlich ein spezielles Eiweiß, das das Risiko für Gefäßverkalkungen, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen kann (1). Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist meist genetisch bedingt und kann unabhängig von einem gesunden Lebensstil auftreten. Bestimmt wird der Wert durch eine einfache Blutuntersuchung. Besonders bei familiärer Vorbelastung oder unklar erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko kann die Messung wichtige Hinweise für die Vorsorge liefern (2).

Da man bislang davon ausging, dass der genetisch beeinflusste Lp(a)-Spiegel weitgehend stabil bleibt, empfehlen Fachgesellschaften wie die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und die Europäische Arteriosklerose-Gesellschaft (EAS) eine einmalige Messung (3). Forschungsergebnisse einer im März veröffentlichten Studie (4) zeigen jedoch, dass die Werte bei vielen Menschen im Laufe der Jahre ansteigen können. Dadurch kann sich auch das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verändern.

Der Neurologe und Schlaganfallexperte Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen erklärt: „Der Lp(a)-Wert sollte möglichst früh bestimmt werden. Besonders bei Menschen mit bekannten Risikofaktoren oder familiärer Vorbelastung kann eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll sein. Da es in Deutschland bislang keine zugelassenen Medikamente zur gezielten Senkung des Lp(a)-Wertes gibt, kommt der Behandlung anderer Risikofaktoren eine besondere Bedeutung zu.“

Dazu zählen insbesondere Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte, Rauchen sowie starkes Übergewicht. Werden diese Faktoren früh erkannt und behandelt, lässt sich das Risiko für Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken.

Vor allem jüngere Menschen mit erhöhtem Lp(a)-Wert können ein gesteigertes Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte aufweisen – häufig ohne erkennbare Beschwerden. Auch Personen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder familiärer Vorbelastung gelten als besonders gefährdet.

Im Rahmen üblicher Gesundheits-Check-ups werden meist nur klassische Cholesterinwerte untersucht. Das könnte jedoch zur Risikobewertung nicht ausreichen. Die zusätzliche Bestimmung des Lp(a)-Wertes kann wichtige Hinweise auf bislang unerkannte Gefahren liefern. Als optimal gelten Werte unter 30 mg/dL beziehungsweise unter 75 nmol/L. Höhere Werte werden nach aktuellem Forschungsstand als erhöhtes Risiko eingestuft (5).

Die Deutsche Schlaganfallbegleitung (DSB) gGmbH ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin. Sie widmet sich der Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens mit Schwerpunkt auf der Schlaganfallprävention und -nachsorge. Gegründet wurde sie im Oktober 2020 vom Neurologen Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen gemeinsam mit anderen Ärztinnen und Ärzten. Die Björn Steiger Stiftung aus Winnenden ist Mitgesellschafterin.

Mit der werbefreien Website schlaganfallbegleitung.de inklusive Selbsthilfeforum  informiert die DSB Betroffene, Angehörige und Interessierte rund um das Thema Schlaganfall.

Quellen

  1. Lipoprotein(a) Was heißt das, und was bedeutet es für mich? – Informationen für Patienten und Interessierte; D.A.C.H. Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V. – URL: https://www.uniklinikum-leipzig.de/einrichtungen/kardiologie/Freigegebene%20Dokumente/Lpa-Broschuere-DACH.pdf
  2. Unser Artikel mit umfassenden Informationen zum Lp(a): https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/lipoprotein-a
  3. Leitlinie zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. Mach, François et al.: 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. In: Eur Heat J 41(1):111-188, 2020 – DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz455; 5.5 Recommendations for measuring lipids and lipoproteins to estimate risk of atherosclerotic cardiovascular disease)
  4. Seidel, M. et al.: Intraindividual Lp(a)-Variability in a Real-World Setting. In: JACC: Advances; 2026 Mar 1; 5(3) – URL: https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacadv.2026.102601
  5. PD Dr. med. Peter Benöhr et al.: Praxisleitfaden Lipoprotein (a) – Prävention und Therapiemanagement; ICD-10: 78.80; (Stand 03/25)