Dortmund – Vor einem weiteren Aufweichen des vorliegenden Sparpakets bei den Gesundheitsausgaben warnt der AOK-Verwaltungsrat in seiner heutigen Sitzung in Dortmund. „Die Bundesregierung muss jetzt rasch handeln und noch vor der Sommerpause den aktuellen Kabinettsentwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes (GKV-BStabG) deutlich nachbessern. Jetzt müssen dringend die Weichen gestellt werden für eine einnahmeorientierte Ausgabenpolitik, nachhaltige Strukturreformen und ein Ende der Verschiebebahnhöfe zu Lasten der beitragszahlenden Versicherten und Arbeitgeber in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)“, sagte der alternierende AOK-Verwaltungsratsvorsitzende und Versichertenvertreter Lutz Schäffer. Trotz der angespannten Finanzlage in der GKV mit weiter steigenden Ausgaben ist es der AOK NordWest gelungen, das Haushaltsjahr 2025 mit einem positiven Rechnungsergebnis in Höhe von 36,5 Millionen Euro abzuschließen. „Durch ihre vorausschauende und nachhaltige Finanzpolitik konnte die AOK NordWest die durch die verfehlte Gesundheitspolitik der Bundesregierung verursachten Kostensteigerungen im Gesundheitswesen in 2025 kompensieren. Der für das Jahr 2025 festgelegte Zusatzbeitrag konnte im Vergleich zu vielen anderen Krankenkassen stabil gehalten werden“, sagte Johannes Heß, alternierender AOK-Verwaltungsratsvorsitzender und Arbeitgebervertreter.
Sparpaket konsequent umsetzen
Die dramatische Ausgabenentwicklung in der GKV ist nach Auffassung des AOK-Verwaltungsrats das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen. Die jahrelang verfehlte Gesundheitspolitik habe für leere Kassen und rapide steigende Krankenkassenbeiträge gesorgt, ohne dass sich gleichzeitig die Versorgung der Menschen verbessert habe. AOK-Verwaltungsrat Johannes Heß kritisierte, dass die von der Expertenkommission vorgelegten Vorschläge von der Bundesregierung im Gesetzentwurf nur halbherzig und als „fauler Kompromiss“ umgesetzt wurden. „Der Bund zieht sich aus der Verantwortung zurück und weigert sich weiterhin, die gesundheitliche Versorgung von Empfängern von Grundsicherung (früher Bürgergeld) als staatliche Aufgabe aus Steuern zu finanzieren. Statt der notwendigen 26 Milliarden Euro bezahlt er weiterhin lediglich 14 Milliarden Euro und belastet die beitragszahlenden Versicherten und Arbeitgeber jährlich mit rund zwölf Milliarden Euro. Die angekündigte Erhöhung um 250 Millionen Euro, die bis zum Jahr 2031 auf zwei Milliarden Euro ansteigen soll, ist ein Tropfen auf den heißen Stein und völlig unzureichend. Und das dann im gleichen Zuge die Bundesmittel für versicherungsfremde Leistungen um zwei Milliarden Euro gekürzt werden, schwächt das System noch weiter, statt es zu stabilisieren“, sagt Heß.
Bund und Länder sind jetzt gemeinsam gefordert
Während in Berlin in der Koalition um eine Lösung gestritten wird, steigen die Ausgaben in der GKV weiter an. „Bund und Länder sind gemeinsam in der Verantwortung, Versicherte und Wirtschaft nicht noch stärker zu belasten. Es geht jetzt darum, die Ausgaben in den Griff zu bekommen und die vorhandenen Mittel effizienter einzusetzen. Die Einnahmen zu Lasten der Versicherten und Arbeitgeber weiter zu erhöhen, ist das falsche Signal“, so AOK-Verwaltungsrat Schäffer. Nach seinen Worten werde gerade die Pharmaindustrie zu sehr geschont. „Es ist unverständlich, warum die Vorschläge der Finanzkommission in Bezug auf die Arzneimittelausgaben nicht vollständig umgesetzt werden. Hier muss die Koalition noch dringend nachbessern“, so Lutz Schäffer.
AOK setzt Mitgliederwachstum fort
Insgesamt 56.986 neue Mitglieder entschieden sich im letzten Jahr für die größte gesetzliche Krankenkasse in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein. AOK-Vorstandschef Tom Ackermann hob hervor, dass die AOK NordWest mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis mit vielen exklusiven Mehrleistungen innerhalb des 500 Euro-Gesundheitsbudgets und dem Bonusprogramm unverändert attraktiv für alle gesetzlich Krankenversicherten bleibe. „Wir garantieren unseren Versicherten weiterhin einen persönlichen Service vor Ort und moderne Lösungen für eine schnelle und mobile Kunden-Kommunikation“, so Ackermann.
Hohe Leistungsausgaben
Insgesamt sind die Leistungsausgaben der AOK NordWest im Jahr 2025 je Versicherten um 7,93 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Der größte Ausgabenblock bleibt die Krankenhausbehandlung mit rund 4,98 Milliarden Euro. Dahinter folgen Ausgaben für Arzneimittel mit 2,17 Milliarden Euro sowie die ambulante ärztliche Behandlung in Höhe von 1,89 Milliarden Euro. Das Haushaltsvolumen der AOK NordWest betrug im Jahr 2025 rund 14,3 Milliarden Euro.
AOK NordWest im Profil
Die AOK NordWest mit Sitz in Dortmund zählt zu den zehn größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Die rund 6.200 Mitarbeitenden beraten in den 65 AOK-Kundencentern über 2,9 Millionen Versicherte, davon 2,3 Millionen in Westfalen-Lippe und über 600.000 in Schleswig-Holstein. Das Haushaltsvolumen beläuft sich im Jahr 2026 auf 15,2 Milliarden Euro. Über 96 Prozent der geplanten Ausgaben werden in die Gesundheit der Versicherten investiert.
