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GOÄ-Reform: So nicht – Labordiagnostik braucht verlässliche Rahmenbedingungen für eine gute Versorgung

Pressemitteilung

Die Bewertungen der ärztlichen Laboratoriumsuntersuchungen im vorliegenden Entwurf der neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄneu) müssen vor Inkrafttreten grundlegend überprüft und korrigiert werden, da die vorgesehene Abwertung der medizinischen Labordiagnostik um rund 34 Prozent für die fachärztlichen Labore wirtschaftlich nicht verkraftbar ist. Das fordert die Task Force GOÄ in einer gemeinsamen Stellungnahme, die sie am 10. September 2026 an das Bundesministerium für Gesundheit übermittelt hat und heute öffentlich macht. In der Task Force haben sich die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), der Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (BÄMI), die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) sowie die Gesellschaft für Virologie (GfV) zusammengeschlossen. Mitglied der Task Force ist außerdem die Gemeinsame Kommission Virusdiagnostik der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und der GfV. Zur wissenschaftlichen Bewertung der GOÄ-Reform und ihrer Auswirkungen hat der ALM e.V. das Wissenschaftliche Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung (WIG2) mit einem gesundheitsökonomischen Gutachten beauftragt. Die heute im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellten Ergebnisse untermauern die Analysen der labordiagnostischen Verbände und Fachgesellschaften.

„Wir sehen einen erheblichen Nachbesserungsbedarf in der GOÄ-Reform. Grundsätzlich unterstützen wir die Reform auch für die Labordiagnostik. Mit der Stellungnahme und dem Gutachten haben wir dem Bundesministerium für Gesundheit fundierte Analysen und konkrete Vorschläge übermittelt. Sie zeigen, wie das Kapitel M im weiteren Verordnungsgebungsprozess grundlegend überprüft und für eine qualitativ hochwertige fachärztliche Laborversorgung angepasst werden kann, ohne wesentlich höhere Ausgaben. Eine GOÄ-Reform sollte auf transparent zugänglichen sowie nachvollziehbaren Datengrundlagen und betriebswirtschaftlichen Kalkulationen beruhen. Dazu gehören Folgenabschätzungen für die GOÄ insgesamt, aber auch für die einzelnen Fachgebiete. Das ist bislang nicht der Fall. Die vorliegende Entwurfsfassung einer GOÄ gewährleistet weder eine sachgerechte Vergütung noch bildet er die heutigen Kostenstrukturen der Labore angemessen ab“, sagt Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V. „Eine Abwertung der labormedizinischen Leistungen um rund 34 Prozent bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Kosten ist nicht nachvollziehbar und wirtschaftlich nicht tragfähig. Das heute vorgelegte WIG2-Gutachten bekräftigt unsere Analysen und zeigt, dass hier erheblicher Korrekturbedarf besteht.“

Das veröffentlichte Gutachten verbindet erstmals eine Analyse der labormedizinischen Kostenstrukturen mit einem systematischen Vergleich der geltenden GOÄ, der ärzteeigenen Version einer neuen GOÄ sowie der beiden konsentierten GOÄ-Entwürfe von 2025 und 2026. Ergänzend wurde die wirtschaftliche Entwicklung bis zum Jahr 2030 modelliert.

„Unsere Analyse zeigt eine deutlich gegenläufige Entwicklung zwischen der vorgesehenen Vergütungsentwicklung und steigenden, kurzfristig kaum anpassbaren Kosten der Labore“, erklärt JProf. Dr. Dennis Häckl, Geschäftsführer des WIG2 Instituts. „Die erhebliche Abwertung der Leistungen lässt sich anhand der bereitgestellten Daten belastbar nachvollziehen. Die in unserer wissenschaftlichen Untersuchung durchgeführten Simulationen der wirtschaftlichen Folgen zeigen, dass eine Gebührenanpassung in dem jetzt vorliegenden Umfang weitreichende Folgen für die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Labore haben kann. Für eine Einschätzung der sachlichen Fundierung und der möglichen Reformfolgen müssen die Datengrundlagen sowie die Kalkulationsmodelle offengelegt und eine systematische Folgenabschätzung vor Inkrafttreten der neuen Gebührenordnung vorgenommen werden.“

„Eine flächendeckende und zeitgerecht verfügbare medizinische Labordiagnostik benötigt verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen“, sagt Prof. Dr. Ralf Ignatius, Vorsitzender des BÄMI e.V. „Das gilt gerade auch für mikrobiologische und infektiologische Untersuchungen, bei denen spezialisierte fachärztliche Expertise, Vorhaltestrukturen und schnelle Reaktionsfähigkeit für die Patientenversorgung unverzichtbar sind. Besonders enttäuschend ist, dass unsere aus Expertensicht eingebrachten fachlichen Vorschläge zur Verbesserung der molekularbiologischen Infektionsdiagnostik, die zudem für die PKV sogar kostengünstiger wären, nicht übernommen wurden.“

Rund 79 Prozent der modellierten Labore werden im realistischen Szenario des WIG2-Simulationsmodells bis zum Jahr 2030 in die Verlustzone geraten. Sie wären damit einem erheblichen wirtschaftlichen Druck ausgesetzt, den die Labore im Modell durch eigene Kostensenkungsmaßnahmen nur begrenzt ausgleichen können. Ein wesentlicher Treiber sind dabei die Kostensteigerungen in den Laboren, die von 2017 bis 2024 etwa 40 Prozent betrugen und sich weiter fortsetzen. Die annahmenbasierte Simulationsrechnung verdeutlicht die wirtschaftlichen Risiken, die aus dem Zusammentreffen von abgesenkten Vergütungen und weiter steigenden Kosten entstehen können. Sie zeigt, dass für die medizinische Labordiagnostik die auch gesetzlich vorgesehenen betriebswirtschaftlichen Kalkulationen von Gebührenordnungen überfällig sind. Die fachärztlichen Labore haben darauf bereits im Zusammenhang mit den negativen Folgen der EBM-Laborreform 2025 hingewiesen.

Berufsverbände und Fachgesellschaften fordern Korrekturen vor Inkrafttreten

Die in der Task Force GOÄ zusammengeschlossenen Berufsverbände und Fachgesellschaften unterstützen insbesondere aus fachlichen Gründen die Reform der Gebührenordnung, denn auch die medizinische Labordiagnostik ist in der aktuell geltenden Version der GOÄ nicht mehr zeitgemäß abgebildet. Sie fordern jedoch eine grundlegende Anpassung des Kapitels M. Kalkulationsgrundlagen und Folgenabschätzungen müssen offengelegt, die Leistungen betriebswirtschaftlich neu bewertet und das Leistungsverzeichnis fachlich aktualisiert werden. Zudem sollen die Abrechnung bezogener ärztlicher Laborleistungen wirksam unterbunden und telemedizinische Verfahren angemessen berücksichtigt werden.

„Wir legen in unserer gemeinsamen Stellungnahme einen konkreten Lösungsvorschlag vor“, betont Dr. Michael Müller. „Durch eine Korrektur der bestehenden strukturellen Defizite entstehen Einsparungen. Diese können genutzt werden, um die Leistungen im Kapitel M auf Grundlage der aktuellen Kostenstrukturen sachgerecht zu bewerten. So können die Vorschläge der Task Force für PKV und Beihilfe weitgehend kostenneutral umgesetzt werden, ohne die GOÄ-Reform insgesamt infrage zu stellen. Wir appellieren an den Verordnungsgeber, die vorliegenden Analysen und Lösungsvorschläge aufzugreifen und das Kapitel M zu überarbeiten. Das ist ohne wesentliche Verzögerung der Verordnungsgebungsprozesses möglich. Damit werden wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für flächendeckende und wohnortnahe fachärztliche Laborstrukturen zur Sicherung der labordiagnostischen Patientenversorgung für Facharzt- und Krankenhauslabore erhalten.“

Auswirkungen auf Qualität und Versorgungssicherheit

Labordiagnostik ist ärztliche Heilkunde. Sie umfasst neben der eigentlichen Untersuchung unter anderem die Beratung zur Indikationsstellung, die Auswahl und Überwachung geeigneter Verfahren, die Qualitätssicherung, die fachärztliche Befundinterpretation und die klinische Beratung. Zugleich sind Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie Bestandteil der Kritischen Infrastruktur. Die Anforderungen an Versorgungssicherheit, Krisenfestigkeit, Redundanz, Digitalisierung und Qualität erhöhen den Investitions- und Personalbedarf der ambulanten und stationären Labore.

Hinweis für die Medien

Das WIG2-Gutachten, die gemeinsame Stellungnahme der Task Force GOÄ und ergänzende Informationen finden Sie auf der GOÄ-Themenseite des ALM e.V.

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Über den ALM e.V.
Der ALM e.V. ist der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin und repräsentiert über 200 medizinische Laboratorien in Deutschland. Er engagiert sich für eine patientenzentrierte, qualitativ hochwertige und wirtschaftlich nachhaltige Labordiagnostik.

Wir versorgen Deutschland mit Labor #WirSindMehrwert

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