Die im Bundesministerium für Gesundheit aktuell vorbereitete Verordnung für eine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) soll einen jahrzehntelangen Reformstau beenden. Für die medizinische Labordiagnostik ist der vorliegende Entwurf von Bundesärztekammer und PKV-Verband wirtschaftlich und inhaltlich so nicht tragbar. Der Entwurf und das Verfahren zu seiner Entwicklung werfen grundlegende Fragen auf: Wie wird die erforderliche Transparenz zu den Datengrundlagen und Folgenabschätzungen hergestellt. Auf welcher Basis erfolgten die neuen Bewertungen; können sie nachvollziehbar und belastbar hergeleitet werden? Wurden bestehende strukturelle Defizite behoben? Und welche Folgen könnten die erheblichen Vergütungsabsenkungen für die wirtschaftliche Stabilität der fachärztlichen Labore und die Patientenversorgung in Deutschland haben?
Im Auftrag des ALM e.V. hat das Wissenschaftliche Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung – WIG2 aus Leipzig erstmals eine umfassende Bewertung der GOÄ-Reform für die medizinische Labordiagnostik und deren Abbildung im Kapitel M der GOÄ vorgenommen. Das Gutachten untersucht den vorliegenden GOÄ-Entwurf, die Kostenentwicklung der Labore, die Auswirkungen der vorgenommenen Bewertungen sowie mögliche mittel- und langfristige Auswirkungen des GOÄ-Entwurfes auf die Kostenstruktur der Labore, ihre Investitionskraft, das mögliche zukünftige Leistungsangebot sowie auch Qualität und Versorgungsstrukturen.
Reform ohne belastbare Grundlage?
Das Gutachten kommt zu einem klaren Ergebnis: Die vorgesehene Absenkung der Laborvergütung ist erheblich, ihre Datengrundlage und methodische Herleitung wurden im Reformprozess jedoch nicht transparent offengelegt. Auf Basis verfügbarer Leistungsmengen errechnet das Gutachten für das Kapitel M einen simulierten Umsatzrückgang von ca. 34 Prozent. Gleichzeitig sind die Kosten der untersuchten Labore zwischen 2017 und 2024 um rund 38 Prozent gestiegen. Dies würde massive Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der Labore und in der Folge auch auf die Patientenversorgung haben.
Bei der Pressekonferenz stellen die Teilnehmenden die zentralen Ergebnisse und wirtschaftlichen Auswirkungen des Gutachtens vor. Darauf aufbauend wird die GOÄneu aus Sicht der fachärztlichen Labormedizin versorgungspolitisch bewertet. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Konsequenzen sich für den Verordnungsgeber im weiteren Verlauf ergeben und was sich für die Ausgestaltung sowie für Qualität, Versorgungssicherheit und die zukünftige Struktur der Labordiagnostik ergeben bei unveränderter In-Kraft-Setzung des aktuellen Entwurfes.
Auf dem Podium:
- Dr. Michael Müller, Vorsitzender des ALM e.V.
- J.-Prof. Dr. Dennis Häckl, Geschäftsführer des WIG2 Instituts
- Prof. Dr. Ralf Ignatius, Vorsitzender des BÄMI e.V.
Anschließend diskutieren die Teilnehmer gemeinsam die Konsequenzen der Gutachtenergebnisse für die weitere Ausgestaltung der GOÄneu.
Pressekonferenz des ALM e.V. (hybrid)
Mittwoch, 23. September 2026 | 10:00 Uhr
Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin
Die Teilnahme ist vor Ort in Berlin oder online möglich. Vertreterinnen und Vertreter aus Medien, Politik, Selbstverwaltung, Wissenschaft und Verbänden sowie alle weiteren Interessierten sind herzlich eingeladen.
Anmeldung und weitere Informationen:
https://www.alm-ev.de/politik-presse/pk230926/
Die Online-Zugangsdaten für die digitale Teilnahme werden direkt nach der Anmeldung bereitgestellt.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
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Über den ALM e.V.
Der ALM e.V. ist der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin und repräsentiert über 200 medizinische Laboratorien in Deutschland. Er engagiert sich für eine patientenzentrierte, qualitativ hochwertige und wirtschaftlich nachhaltige Labordiagnostik.
Über den BÄMI e.V.
Der Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie e.V. (BÄMI e.V.) vertritt die Interessen der Ärzte im Bereich der medizinischen Mikrobiologie, Infektionsepidemiologie, Infektionsprävention, Krankenhaushygiene und Infektiologie einschließlich antiinfektiver Therapie.
Über das WIG2 Institut
Das WIG2 ist ein unabhängiges und neutrales Forschungsinstitut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung mit Sitz in Leipzig. Mit fachübergreifender Expertise, analytischer Kompetenz und langjähriger Erfahrung liefert es seit seiner Gründung im Jahr 2014 evidenzbasierte Antworten auf komplexe Fragestellungen im Gesundheitswesen.