Die Heimdialyse in Deutschland ist in Aufbruchstimmung. Fachleute erwarten, dass diese Behandlungsform der Nierenersatztherapie künftig deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Dies ist eine Erkenntnis vom 15. Kölner Heimdialysekongress des KfH am 24./25. April im Kölner Gürzenich mit mehr als 20 Fachvorträgen und Workshops zu den beiden Heimverfahren Peritonealdialyse und Heimhämodialyse.
Neu-Isenburg – Die Heimverfahren versprechen chronisch nierenkranken Patientinnen und Patienten die bestmögliche Lebensqualität, da sie bei gleichwertiger medizinischer Qualität selbständig zu Hause durchgeführt werden. Die Alternative dazu ist die Hämodialyse in der Regel dreimal die Woche oder die Peritonealdialyse in einem Nierenzentrum. Trotz der Vorteile sind Heimverfahren in Deutschland im internationalen Vergleich bislang unterrepräsentiert. Weniger als sieben Prozent der dialysepflichtigen Menschen behandeln sich selbst zu Hause, unter den mehr als 17.300 KfH-Patientinnen und -Patienten sind es immerhin etwa 9,5 Prozent. Schätzungen zufolge könnte aber mindestens ein Drittel aller Personen mit chronischem Nierenversagen zu Hause dialysieren.
Für Patientenwohl und mit ökologischen und ökonomischen Vorteilen
„Das KfH ist für die Heimdialyse in Deutschland Impulsgeber“, sagte der KfH-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. iur. Christian Höftberger in Köln, „Heimdialyse ist kein Nischen-, sondern ein Zukunftsthema.“ Das KfH fördert die Heimdialyse traditionell. Höftberger erinnert: „Heimdialyse ist unsere DNA, dafür steht das H in unserem ursprünglichen Namen und wie in unserer Satzung sieht auch der Gesetzgeber die Heimdialyse als erste Behandlungsoption vor.“
Dr. Dominik Bös, im KfH Geschäftsleiter zur Förderung und Weiterentwicklung Heimdialyse, ist zuversichtlich: „Die Heimdialyse in Deutschland nimmt Fahrt auf.“ Zum Wohl der Patientinnen und Patienten, aber auch aus ökologischen und ökonomischen Gründen dürfte sie an Bedeutung gewinnen: Die über das Bauchfell durchgeführte Peritonealdialyse im häuslichen Umfeld gilt als wesentlich klimafreundlicher als die Hämodialyse im Zentrum. Heimdialyse kommt mit weniger Wasser, weniger Energie und ohne Transportemissionen aus – starke Argumente auch angesichts steigender Energiepreise. Bös möchte das Know-how zu den Heimverfahren in den rund 200 KfH-Nierenzentren weiter ausbauen. Der Nephrologe sah beim Kölner Heimdialysekongress auch interessante technische Entwicklungen: „Ist die Handhabung der Geräte für die Patientinnen und Patienten schneller und einfacher erlernbar, sinkt die Hemmschwelle für die eigenverantwortliche Behandlung zu Hause.“
KfH-Nierenzentrum Neuwied erhält Heimdialysepreis
Erstmals verlieh das KfH beim Kongress den Heimdialysepreis „Team Engagement“ an eines seiner Zentren. Bei der Premiere wurde speziell die Teamleistung ausgezeichnet: Preisträger ist der KfH-Standort Neuwied bei Koblenz. Das Team um Dr. Kristina Streeck hat im Jahr 2020 bei null Heimdialysepatienten begonnen und die Jury durch sein außergewöhnliches Engagement überzeugt: Für die Betreuung ihrer Heimdialysepatientinnen und -patienten entwickelten sie gemeinsam im Team eigene Schulungs- und Arbeitsmaterialien sowie eine besonders praxisnahe, persönliche Aufklärung der Betroffenen, um Ihnen mehr Sicherheit und Routine bei der Dialyse zu Hause zu vermitteln. Durch enge interne Zusammenarbeit und eine aktive Vernetzung mit dem kooperierenden Krankenhaus konnte in Neuwied eine kontinuierlich wachsende Heimdialyseversorgung aufgebaut werden – heute betreut das Team bereits zehn Patientinnen und Patienten, die sich für die Peritonealdialyse entschieden haben.

Hintergrundinformationen
Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. steht für eine qualitativ hochwertige und integrative nephrologische Versorgung nierenkranker Patientinnen und Patienten. Es wurde im Jahr 1969 gegründet und ist damit zugleich der älteste und größte Dialyseanbieter in Deutschland. In rund 200 KfH-Zentren werden mehr als 17.300 Dialysepatientinnen und -patienten sowie aktuell über 77.000 Sprechstundenpatientinnen und -patienten umfassend behandelt.
Der Kölner Heimdialysekongress des KfH ist die einzige Fachveranstaltung ihrer Art in Europa für die Heimverfahren. Knapp 600 deutsche und internationale Fachleute aus Medizin und Pflege, Patientenvertreterinnen und -vertreter sowie Industriepartner nahmen an dem zweijährlichen Kongress teil, noch nie war die Resonanz größer. Die Kongressinhalte spannten einen Bogen von medizinischen Spezialthemen über zukunftsweisende Strukturprogramme zur Stärkung der Peritonealdialyse bis hin zu Vorträgen aus der Wissenschaft zu neuen technischen Entwicklungen für eine wasser- und energiesparende Dialysebehandlung mit mobilen Geräten oder zur künstlichen implantierbaren Niere, an der geforscht wird.
Foto Vortrag HDK 2026
Der 15. Kölner Heimdialysekongress des KfH setzte erneut europaweite Impulse für die Zukunft der Nierenersatztherapie. Mit einem breiten Fachpublikum aus Klinik, Forschung, Pflege, Technik, Politik und Patientenorganisationen erreichte er mit rund 600 Teilnehmenden in diesem Jahr einen neuen Besucherrekord. (Foto: N. Krütt-Hüning)
Foto Preisverleihung
Übergabe des ersten Heimdialysepreises des KfH an das KfH-Nierenzentrum Neuwied. V.l.n.r.: KfH-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. iur. Christian Höftberger, Dr. Beatrice Palausch, Geschäftsleiterin der KfH Region Mitte/West, Dr. med. Dominik Bös, KfH Geschäftsleiter zur Förderung und Weiterentwicklung Heimdialyse, Dr. med. Kristina Streeck, ärztliche Leiterin im KfH Neuwied, Dr. med. Stefan Fondel, Nephrologe KfH Neuwied (ab Mai) sowie die beiden KfH-Vorstandsmitglieder Thorsten Ahrend und Prof. Dr. med. Michael Masanneck. (Foto: N. Krütt-Hüning)
